Nihon & Books

Alles rund um die Themen Japan und Bücher

Autor: Anahita

Hanya Yanagihara – Ein wenig Leben

Autor: Hanya Yanagihara
Titel: Ein wenig Leben
Verlag: Piper

Allgemeines

Die Autorin Hanya Yanagihara is 1974 geboren und ist eine US-Amerikanische Schriftstellerin und Journalistin. Zudem ist sie Chefredakteurin des “T Magazine” in der New York Times.

A Little Life erschien 2015 in New York und 2017 dann unter dem Titel Ein wenig Leben auch bei uns in Deutschland. Yanagihara gewann mit diesem Roman den Kirkus Award und war auf Platz 96 auf der Liste der 100 besten Bücher des 21. Jahrhundert im The Guardian.

(…) lebendig zu sein hieß, sich Sorgen zu machen. Das Leben war beängstigend; es war voller Ungewissheiten.

Ein Wenig Leben (S. 665)

Inhalt

Der Roman nimmt den Leser auf eine Reise über drei Dekaden. Es ist der Beginn des Erwachsenenlebens von vier jungen Männern in New York, die alle einen Abschluss von der hochangesehenen New England University haben.

Der Freundeskreis besteht aus:

  • Willem Ragnarsson
    Ein gutabsehender junger Mann, der von einer Ranch in Wyoming abstammt und die Karriere eines Schauspielers anstrebt.
  • Malcom Irvine
    Der gemischtrassige Nachkomme einer wohlhabenden Familie aus der Upper East Side, der ein sehr leidenschaftlicher Architekt ist.
  • Jean-Baptiste Marion (JB)
    Der Sohn von Immigranten aus Haiti, der anfangs Rezeptionist bei einem downtowner Kunst Magazin ist, dessen Kunstwerke jedoch schon bald berühmt werden und im selben Magazin thematisiert werden.
  • Jude St. Francis
    Protagonist des Romans und ein erfolgreicher Anwalt und Mathematiker aus Leidenschaft, dessen Herkunft sogar bei seinen Freunden unbekannt ist.

Im Laufe des Romans lernt der Leser alle Charaktere genauer kennen – allen voran Jude, der als Baby bei den Mülltonnen gefunden und von Mönchen aufgezogen worden ist.

Der Leser begleitet die vier Freunde auf Parties, Dates und ist Zeuge von deren Gesprächen und deren Kampf und Bemühungen ihre Träume zu verwirklichen. Doch schon bald wird dem Leser bewusst: Dies ist mehr als ein “Big City Bildungsroman”.

Im Roman gibt es wenige bis gar keine Anzeichen dafür, um welches Jahr oder welche Zeit es sich handelt. Somit befindet sich die Geschichte in einem ewigen Jetzt. Die Aktualität der Geschichte ist unbestritten.

Nach und nach mit jeder gelesenen Seite erfährt der Leser mehr von Judes mysteriöser und traumatischer Vergangenheit.
Themen wie sexueller Missbrauch, Gewalt, Leid, Selbstverletzung und die Schwierigkeit, sich davon zu erholen, führen den Leser an dunkle Orte. Trost und Erlösung bleiben einem jedoch verwehrt.

Persönliche Meinung

Durch Flashback-artige Einschübe erzählt der Roman von den schrecklichen Vorfällen wie Vergewaltigung, Prostitution und Gewalt, die Jude widerfahren sind. Zwischen all diesen dunklen Stellen, stechen umso mehr die Szenen hervor, in denen Jude Freundlichkeit, Zärtlichkeit und Unterstützung erfährt. Es sind gerade diese Stellen, die mich am meisten bewegt haben.

Der Umgang mit diesen schwierigen Themen ist meiner Meinung nach eine ganz besondere genauso wie die Charaktere Jude und Willem. Die Autorin hat mit Jude eine Figur geschaffen, dem es schlecht geht; der geplagt und gepeinigt wird von seinen Erinnerungen und des Geistern seiner Vergangenheit. Eine Läuterung oder Heilung findet nicht statt. Freundschaft und Liebe helfen und verbessern zeitweise seine Situation als scheinbar einzige Medizin, gerettet wird er dadurch nicht.

Dieser Roman wird für immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben und wie so oft beim Lesen werde ich auch weiterhin immer mal wieder an Jude denken müssen.

In einer Rezension des New Yorker stand Ein wenig Leben sein ein “consuming page-turner” – dem ist nicht hinzuzufügen.
Das Buch verschlingt dich, nimmt dein Leben ein und trotz all dem Leid, der Trauer, der Dunkelheit erkennst du Schönheit.

War Freundschaft an sich kein Wunder – einen anderen Menschen zu finden, der die ganze einsame Welt irgendwie weniger einsam erscheinen ließ?

Ein wenig leben (S. 763)

Coverbild

Bei dem Bild auf dem Cover handelt es sich um eine Fotografie von Peter Hujar mit dem Titel “Orgasmic Man”.

Auf der Seite des Hanser Verlags schreibt die Autorin:

“Das Bild schien zu übergriffig zu sein, zu intim, zu herausfordernd.
Sie hatten nicht Unrecht. Und doch sind es genau diese Eigenschaften, derentwegen ich das Bild liebe. Es schien mir die denkbar aufrichtigste Werbung für das Buch zu sein. Empfindet der Mann Schmerzen oder Lust? Ist er ekstatisch oder tief verzweifelt? Man hat das Gefühl, dass man Zeuge eines fast unerträglich intimen Moments wird, dass man etwas sieht, was man eigentlich nicht sehen sollte.”

Anfangs war ich auch nicht überzeugt von dem Cover aber nach der Erläuterung bin ich nun der Meinung, dass es geradezu perfekt für diesen Roman ist.

Mishima Yukio – Der Goldene Pavillon

Autor: Mishima Yukio
Titel: Der Goldene Pavillon
Verlag: Kein & Aber

Der Roman Der Goldene Pavillon wurde 1956 in Japan unter dem Titel Kinkakuji (金閣寺) veröffentlicht. 1961 wurde der Roman mit dem Titel Tempelbrand erstmals ins Deutsche übersetzt von Walter Donat. Eine Neuübersetzung unter dem Titel Der Goldene Pavillon von Ursula Gräfe erschien 2019. Er basiert frei auf der wahren Begebenheit, die sich 1950 ereignete.

Inhalt

Nach dem Tod seines Vaters wurde der Erzähler und Protagonist Mizoguchi als Messdiener zum Goldenen Tempel geschickt mit der Hoffnung er würde eines Tages einen höheren Rang ergattern. Mizoguchi fühlt sich missgestaltet und durch sein Stottern hässlich und von der äußeren Welt abgeschnitten. Seine „Hässlichkeit“ steht somit im direkten Kontrast zum Goldenen Pavillon. 

Zuerst freundet er sich mit Tsurukawa an, der zu einem engen Vertrauten Mizoguchis wird. Mit seinem einfachen Herz stellt Tsurukawa seine Verbindung zur Realität dar. Doch als Mizoguchi auf die Universität geschickt wird, verbringen sie weniger Zeit miteinander und lernen auch neue Leute kennen. Dies führte dazu, dass der Protagonist den klumpfüßigen Kashiwagi kennenlernt und unter seinem schlechten Einfluss gerät. 

Die Unvollkommenheit, die die beiden miteinander vereint, ist auch das, was die Schönheit in ihren Augen befleckt. Durch ihn lernt Mizoguchi, dass Schönheit auch durch Geschick und Fertigkeit erlangt werden kann. Dies erkennt er anhand Kashiwagis Flötenspiel. Beim Zuhören kommt er zu der Erkenntnis, dass Kashiwagi trotz seiner Imperfektion die Fähigkeit hat etwas Schönes zu erschaffen. Er ist sogar der Ansicht, dass das Flötenspiel gerade aufgrund seines Klumpfußes so wunderschön war. Kashiwagi jedoch verabscheut jede Schönheit, die von Dauer ist. Er findet Gefallen an Musik und Blumen, weil ihre Schönheit vergänglich ist.  

Eine Reihe von Geschehnissen bringen Mizoguchi auf den Gedanken, den Goldenen Pavillon in Brand zu setzen. Gründe hierfür sind zum Beispiel der Hass auf die Schönheit, Kashiwagis Einfluss und den Ärger den Mizoguchi mit der korrupten Leitung des Tempels hat. Dieser Gedanke der Brandstiftung verwandelt sich schnell in Vorsatz und soll Mizoguchi die langersehnte Freiheit und Unabhängigkeit vom Tempel bringen. Anders als der wahre Täter ändert Mizoguchi zum Schluss seine Meinung und möchte leben, obwohl er in der Nacht des Brandes auch seinen eigenen Tod geplant hatte.

Geschichtlicher Hintergrund

Der Tempel des Goldenen Pavillons (kinkakuji 金閣寺) wurde 1397 zu Ehren des Shôgun Yoshimitsu Ashikaga in Kyoto erbaut. Ursprünglich hieß der Tempel Rehgarten Tempel (rokuonji 鹿苑寺) und diente als Reliquienhalle (shariden 舎利殿).

Obwohl der Tempel schon einiges überstanden hatte und oft von Schaden verschont blieb brannte er in der Nacht oder am frühen Morgen des 2. Juli 1950 nieder. Der 22-jährige Novize Yoken Hayashi, der den Brand legte wurde nach seinem fehlgeschlagenen Selbstmord verhaftet. Er litt unter einer Art Schizophrenie und wie Mizoguchi im Roman stotterte auch er. Laut dem Nachwort des Romans habe er die Tat aus Protest gegen die Kommerzialisierung des Buddhismus begangen. Zudem hasse er sich selbst und alles schöne. 

1951 wurde Yoken zu sieben Jahren Gefängnis verurteil, wurde jedoch zwei Jahre später aufgrund seiner schlechten körperlichen Verfassung entlassen und verstarb 1956. Schon 1955 war das Gebäude wieder aufgebaut.

Interpretations- & Deutungsansätze

Wie so viele andere Werke von Mishima ist auch hier nicht nur eine Interpretation herauszulesen. Ich werde daher nur einige wenige benennen.

  • Vaterfigur oder vielmehr ihre Abwesenheit:

Mizoguchis Vater war ein buddhistischer Mönch eines niedrigen Ranges und wird im Roman als sehr kränklich und als körperlich und geistig/moralisch schwach beschrieben. Dies war nicht nur seiner Krankheit verschuldet, sondern auch seines Wegsehens bezüglich der Affären von Mizoguchis Mutter. Da es dem Vater sehr wichtig war, dass sein Sohn Novize im Goldenen Tempel wird, kann die Zerstörung jenes Pavillons als Racheakt gegen seinen verstorbenen Vater sein. Die Zerstörung könnte auch der Tötung des Vaters gleichgesetzt werden. 

  • Der Wandel Japans in der Nachkriegszeit:

Der verbrannte Tempel könnte dem Gefühl entsprechen, dass die „alten“ Werte im Nachriegs-Japan zunehmend verschwunden sind und die japanische Kultur ebenfalls schwindet, um Platz zu schaffen für die westliche. Der Tempel, der als Inbegriffs der Samuraikultur verstanden werden kann, ist nach all dem, was er überstanden hat nun eine Attraktion für westliche Touristen geworden. Mishima sprach oft von dieser sogenannten dunklen Seite des japanischen Denkens, dass Menschen aus dem Westen niemals verstehen würden. 

  • Der Goldene Pavillon als Bildungsroman:

Mishimas Vorliebe für philosophische Romane wie des Thomas Mann könnte dazu geführt haben, dass er hier so etwas im Sinn hatte. Der junge Protagonist ringt mit philosophischen Problemen und dies bildet den dialektischen Rahmen des Romans. Dies wird deutlich durch platonische Dialoge zwischen Vertretern von verschiedenen und gegensätzlichen Ansichten. 

  • Nihilismus im Goldenen Pavillon:

Der Protagonist im Roman erhebt sich vom passiven Nihilismus zum aktiven Nihilismus. Der Wendepunkt ist hierbei der Brand des Tempels. Mizoguchi kämpft, um seiner Passivität zu entkommen. Anfangs ist er ein passiver Nihilist, der handlungsunfähig ist und angetrieben wird von Bedeutungslosigkeit und Nichtigkeit. Der Finale Akt der Brandstiftung und Zerstörung ist die notwendige Handlung für die psychische Gesundheit des Protagonisten und letztendlich auch notwendig für seine Verwandlung zum aktiven Nihilisten.

  • Schönheit und Selbstmord:

Wie bereits erwähnt unterscheidet sich Mishimas Roman von der wahren Begebenheit unter anderem deshalb, weil der Protagonist seine Idee des Selbstmordes zum Ende hin verwarf. Ein möglicher Grund hierfür könnte Mishimas Einstellung und Ansicht gegenüber dem rituellen Selbstmord sein, denn dieser Selbstmord sollte nur mit einem schönen Körper vollzogen werden. Mishima selbst trainierte hart in den letzten Jahren seines Lebens, damit sein Körper die notwendige Perfektion und Schönheit erlangt und somit sepukku begangen werden kann. Mizoguchi jedoch war durch sein stottern hässlich und somit nicht perfekt genug, um sich umzubringen.

Meine Meinung

Krankheit, Missbildung, Verbrechen, Dekadenz und Nihilismus sind einige wenige der Themen, welche immer wieder in Mishimas Roman zu finden sind. Daher bereitet mir das Lesen seiner Romane besondere Freude. Vor allem, weil ich mit Mishimas Biografie sehr vertraut bin und auch vieles an Sekundärliteratur gelesen habe, ist es umso spannender Motive in seinen Romanen zu erkennen und zu versuchen sie zu deuten. 

Der Goldene Pavillon ist sehr umfangreich und verfügt über detailliertes Wissen über den buddhistischen Alltag. Wie einige andere Romane des Autors beruht auch dieser auf einer wahren Begebenheit und nach einer kurzen eigenen Recherche lässt sich erkennen, dass Mishima sehr vertraut mit dem eigentlichen Fall gewesen sein muss. Dies ist nicht nur anhand der Gemeinsamkeiten zur wahren Begebenheit festzustellen, sondern auch anhand der detaillierten Beschreibung der Komplexen Psyche des Protagonisten. 

Zwar wird der Roman auch kritisiert. Zum Beispiel heißt es, dass es keine Charakterentwicklung des Protagonisten gäbe und dass seine Beweggründe unrealistisch und nichtvollziehbar seien. Dem kann ich jedoch aufgrund des oben erwähnten nicht zustimmen. 

Der Goldene Pavillon ist nicht nur ein Roman über Schönheit und Zerstörung, sondern der Leser erhält einen Einblick in das Leben eines buddhistischen Novizen. Darüber hinaus ist Der Goldene Pavillon auch eine schöne „coming of age“ Geschichte über einen jungen Rebellen, sein sexuelles Erwachen, über gute und schlechte Freundschaften und über eine zerstrittene und entfremdete Beziehung zu den Eltern. Daher ist der Roman attraktiv für eine breitere Masse an Lesern. Würde ich den Roman bewerten, würde er 10 von 10 Punkten bekommen. Meiner Meinung nach war in dem Roman alles drin, was einen Roman für mich ansprechend macht. Er ist unterhaltsam, informativ und bietet viele Deutungsmöglichkeiten, über die ich sehr lange nachdenken kann. 

Leben & Tod Mishimas

Geboren wurde Mishima Yukio am 14.01.1925 mit dem Namen Hiraoka Kimitake in Tôkyô. Schon als kleines Kind war er gezwungen bei seiner strengen und bettlägerigen Großmutter aufzuwachsen, die ihm nicht erlaubte sich außerhalb des Hauses aufzuhalten oder mit anderen Jungen in seinem Alter zu spielen, da diese rau im Umgang seien. So blieb dem kleinen Mishima nichts anderes übrig, als mit seinen beiden Cousinen zu spielen. 

Als Knabe besuchte er die Adelsschule Gakushûin und schloss diese 1944 als bester Schüler, der vom Kaiser ausgezeichnet worden ist, ab. Danach studierte er an der Universität Tôkyô deutsches Recht, um danach eine Stelle im Finanzministerium anzutreten. Nach acht Monaten hörte er mit der Arbeit dort auf, um sich voll und ganz dem Schreiben hinzugeben. 

Im Februar 1945 wurde der gerade mal 20 jährige Schriftsteller vom Militär eingezogen, um im zweiten Weltkrieg seinen Dienst in der japanischen Armee zu leisten. Nach einer Fehldiagnose, die vielleicht (vielleicht auch nicht) von Mishima vorgetäuscht wurde, wurde er vom aktiven Dienst ausgeschlossen und arbeitete mithin in einer Fabrik, die Kamikaze-Flieger herstellte.

Die erste Weltreise begann der Schriftsteller 1952 und als Ausdruck seines Willens zur Gesundheit fing er 1955 mit dem Body Building an. Seinen durchtrainierten (Ober)Körper zeigte er gern und stolz in Fotosammlungen und Filme. 1958 heiratete er die Tochter des Malers Sugiyama Yasushi namens Yôko, mit der er zwei Kinder zeugte. In den 60er Jahren, in denen er auch seine zweite Weltreise antrat, war eine verstärkte Hinwendung zum romantischen Traditionalismus bei dem Autor zu erkennen. Dies wurde durch die Teilnahme an militärischen Übungen der japanischen Streitkräfte und die Gründung des Tate no kai (jap. 楯の会, dt. Schilderbund; eine paramilitärische Vereinigung von Studenten) gefördert.

Dies führte dazu, dass Mishima gemeinsam mit vier Mitglieder des Tate no kai am 25.11.1970 die Kommandantur des Befehlskreises Ostjapan in Tôkyô stürmte. Auf dem Balkon des Gebäudes hielt er vor den Soldaten eine Rede, in der er zu einem Putsch und zu einer Rückkehr zum „wahren Tennô-zentriertem Japan“ (jap. 日本回帰) aufrief. Nachdem die Soldaten lautstark durch Zurufe wie „F**kwit!“ und „Shit for Brains“ klar machten, dass sie kein Interesse an seiner Rede haben, gab der Schriftsteller bekannt, dass er sterben werde. Mit den Worten „Tennôheika banzai!“ (jap. 天皇陛下万歳, dt. Lang lebe seine Majestät, der Kaiser) verließ er den Balkon und begab sich ins Büro, wo er sich hinkniete, seine Uhr abnahm, seinen muskulösen Oberkörper entblößte und letztendlich rituellen Selbstmord durch seppuku (jap. 切腹) beging. Dies bestand darin, sich mit einem Dolch den Bauch aufzuschlitzen und im Anschluss wird der Kopf durch den sogenannten kaishaku-nin (jap. 介錯人) mit einem Schwert abgetrennt. Diese Aufgabe wurde von einem Mitglied seiner Privatarmee Morita, der vielleicht auch sein Geliebter war, übernommen. Morita war jedoch nicht sehr bewandert mit dem Schwert und so hat er es selbst nach drei Versuchen nicht geschafft Mishimas Kopf abzutrennen. Ein anderes Mitglied namens Koga griff sodann nach dem Schwert und beendete das Unglück und assistierte danach auch bei Moritas rituellem Selbstmord.

Rezension: Genki Kawamura – Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden

“Um etwas zu bekommen, muss man auf etwas anderes verzichten.”

Wenn alle katzen von der welt verschwänden (s. 168)
Autor: Genki Kawamura
Titel: Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden
Verlag: C. Bertelsmann
Genre: Roman, Erzählende Literatur

Allgemeines

Bei diesem Roman handelt es sich um eine philosophische Erzählung, in der auf 190 Seiten Themen wie das Leben, der Tod und Glück thematisiert werden.

Der Autor Genki Kawamura wurde 1979 in Yokohama (Japan) geboren. Er ist außerdem ein Filmproduzent, der unter anderem beteiligt war an Werken wie “Your Name” (jap. 君の 名は), Mirai (jap. 未来のミライ) und “Geständnisse” (jap. 告白). Von seinem Roman “Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden” wurde in Japan mehr als eine Millionen Exemplare verkauft und wurde sogar erfolgreich verfilmt.

Übersetzt wurde der Roman von Ursula Gräfe, die Japanologie und Anglistik in Frankfurt am Main studiert hat. Sie übersetzte aus dem Japanischen unter anderem Werke von Kenzaburô Ôe und Haruki Murakami.

Inhalt

Ein 30 Jahre junger Briefträger erfährt, dass er an einem unheilbarem Tumor und nicht mehr lange zu leben. zu Hause angekommen, macht er Bekanntschaft mit dem Teufel, der ihm einen Pakt anbietet. Für jeden Tag, den er länger leben darf, muss eine Sache aus der Welt verschwinden. Welche Sachen verwinden entscheidet der Teufel.

Am ersten Tag trifft es die Telefone, dann sind die Filme und Uhren dran. Als er jedoch am vierten Tag die Katzen verschwinden lassen möchte, trifft der Protagonist eine überraschende Entscheidung und versucht eine unerledigte Dinge in seinem Leben zu klären.

“Die Katzen brauchen uns nicht. Wir brauchen sie.”

Wenn Alle katzen von der welt verschwänden (s. 163)

Meine Meinung

Die verwendete Sprache und Schrift im Roman sind einfach und lassen sich leicht und angenehm lesen. Dabei besteht ein Großteil des Romans aus Dialogen und Monologen.

Der Autor regt auf phantasievolle Weise den Leser an nachzudenken, was im Leben wichtig ist und was Glück und Unglück ausmacht. Man stellt so auch sein eigenes Leben in Frage. Kawamura weist den Leser darauf hin, dass man alles auskosten und genießen und nichts bereuen solle, denn man weiß nie, wie viel Zeit einem bleibt.

Des Weiteren gefällt mir, dass einige wenige Sachen der Phantasie des Lesers überlassen worden sind. Schließlich muss ja nicht immer jedes Detail in einem Roman beschrieben werden.

Was mir jedoch nicht so gut gefällt ist, dass die Idee der Handlung viel mehr Potenzial hatte. Es wurde leider nicht voll ausgeschöpft. Ich hätte mir mehr Tiefe und Einzelheiten für die Charaktere gewünscht, aber das ist eher Kritik auf sehr hohem Niveau.

Abschließend würde ich sagen, dass das Buch nicht überragend ist, dennoch aber lesenswert. Wer sich also nach einer etwas leichteren Lektüre sehnt, die zum Denken anregt, für den ist dieser Roman genau das Richtige.

Über mich

Mein Name ist Anahita Estiri und ich führe diesen Blog seit September 2019 mit viel Liebe und Leidenschaft. Ich beschäftige mich vor allem mit Unterhaltungsliteratur, darunter sind auch diverse Mangas, Comics, Light und Graphic Novels zu finden. Darüber hinaus findet ihr bei mir diverse Fachliteratur der Japanologie.

Neben Rezensionen sind auf meinem Blog auch Informationen rund um das Thema Japan nachzulesen. Durch mein Japanologie Studium an der Goethe Universität Frankfurt liegen meine Schwerpunkte auf Literatur und Kultur- und Ideengeschichte.

In meiner Freizeit, wenn ich nicht gerade lese, zeichne ich. Ich verwende dabei einen Comic/Manga Stil und nehme sogar Aufträge an.

Ich freue mich über Kommentare und Buchempfehlungen. Scheut euch nicht mich zu kontaktieren.

Ich hoffe ihr habt viel Spaß auf meinem Blog und wenn er auch noch ein bisschen informativ ist, freut es mich umso mehr.

Christina Henry Lost Boy Rezension

Rezension: Christina Henry – Lost Boy

All children grow up, or they die, or both.
All children, except one.

Lost Boy (s.221)
Autor: Christina Henry
Titel: Lost Boy
Verlag: Titan Books
Genre: Fantasy/Thriller/Adaption

Allgemeines

Bei dem vorliegendem Roman handelt es sich um eine Adaption der Peter Pan Geschichte von J. M. Barrie. Geschrieben wurde das Werk von der talentierten Christina Henry und wurde 2017 vom Verlag Titan Books veröffentlicht. Weitere Romane der Autorin sind unter anderem “Alice” und “Red Queen”. Das Buch hat 318 Seiten und ist auf englisch.

Inhalt

Das Buch erzählt die Geschichte von und aus der Perspektive von Jamie, der erste “verlorene Junge”, der von Peter Pan ins Nimmerland mitgenommen wurde. Der Leser erfährt von den Abenteuern, die die beiden erleben und auch den Gefahren, denen sie sich stellen müssen.

Jamie wird als fürsorglicher Junge beschrieben, der es sich zu seiner Aufgabe gemacht hat, sich um die verlorenen Jungen zu kümmern, sie zu trainieren, ihre Wunden zu verarzten und sie in Krankheit gesund zu pflegen. Bald jedoch entpuppt sich diese Charaktereigenschaft als ein Problem, denn Peter ist nicht nur der liebe und abenteuerlustige Junge, den man bisher kannte. Er ist ungeduldig und ein Hitzkopf und vor allem ist er eifersüchtig. Dies bekommt Jamie zu spüren. Die verlorenen Jungen werden unnötigen Gefahren ausgesetzt, die nur Peter’s Belustigung dienen sollten. Dabei ist es Peter egal, ob die Jungen dabei verletzt wurden oder gar starben, er konnte sie ja schließlich ganz einfach ersetzen.

Jamie kann dies nicht länger ertragen und heckt einen riskanten Plan aus, die Kinder vor Peter’s Launen zu retten. Dabei merkt er, dass je mehr er sich von der Idee eines traumhaften Lebens in Nimmerland an der Seite von Peter entfernte, desto schneller würde er erwachsen werden.

Meine Meinung

Christina Henry erzählt auf schaurig-schöne, Art und Weise die Geschichte einer Bekannten Figur aus der Kindheit. Die ursprüngliche unschuldige Handlung verwandelt sich dabei in eine eher düstere und brutale.
Die Handlung ist spannend und fesselnd. Dies führt dazu, dass man das Buch gar nicht aus der Hand legen möchte, aber man möchte auch nicht, dass es schnell endet.
Die Charaktere sind liebevoll beschrieben und wachsen einem schnell ans Herz. Die Autorin schafft es zudem, dass man Peter Pan für immer mit anderen Augen sieht.
Die Sprache im Buch ist leicht verständlich und für Leser mit guten englisch Kenntnissen geeignet.

Dieses Buch ist eine definitive Kaufempfehlung.

Wer gerne in eine andere, etwas düstere Welt abtauchen, gemeinsam mit Jamie auf Abenteuerreise gehen und Peter’s wahre Natur kennenlernen will, für den ist diese Geschichte genau das Richtige.

He didn’t bring magic and fun and eternal youth. He brought fear and madness and death, trailing blood behind him, trailing all the corpses of all the boys behind him.

lost boy (S.275 f.)

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